V.A. – Round One (Aesthetic Circle, 2014)

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Nach dem schon beachtlichen aber zeitgeistigen Vinyl-Erstlingswerk von meinem alten Homie aus Riesling City, Simon Weinheimer aka B Mus, geht es auf dieser EP mehr als zeitlos zur Sache. Dubtechno sei Dank!

Mit dem nötigen Druck untenrum, der den Körper in Bewegung setzt wie ein Paar DocMartens, die das Eis unter den Füßen dieser Tage krachen lassen, und herumschwirrenden Chords, die Hänsel und Gretel auch ohne Hexe in tiefe Orientierungslosigkeit versetzt hätten, kann sich „multiplexing“ selbst im Mix mit den Ornaments-Allstars behaupten. Hut ab!

Auch Florian Mullers „the ring“ schleppt sich groovend im langsamen Tempo über den Dancefloor, wie die Bagger durch die Woodward Avenue in Detroit, die derzeit wieder bestraßenbahnt wird. Etwas bedrohlich kommt Nimä Skills „distance“ daher, dass für eine Ruhepause nach ein paar peaktime tracks richtig gut einzusetzen ist. Bltd „untitled“ versüßt einen die Stunde vor dem Heimweg mit Sehnsuchtsflächen und ein wenig Spielereien im Hintergrund, wenn die Füße einfach nicht mehr tanzen können.

Insgesamt eine sehr schöne Premiere des französischen Netlabels Aestethic Circle, bei der ich mich freue, dass es noch welche in der Netaudioszene gibt, nachdem vor fünf Jahren das letzte Netaudio Festival stattfand und viele Aktive danach aufhörten.

Zu Erwerben bei Juno Records

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Week Theme Song: Mater Suspiria Vision – She´s on Drugs

witchhouse

Das schrägste Lied der schrägen Weihnachtsfeier (Dank H. aufgeschnappt) des vergangenen Wochenendes liefert der Witch-House-Großmeister Mater Suspiria Vision. 2010 anfangs als Hipster-Genre verschrieen, hat sich Witch House oder auch Ghost Drone oder Zombie Rave dort weiterentwickelt, wo es hingehört – in obskuren Einraumappartments – und wird auch nicht mehr das Schicksal von Dubstep ereilen, dass größtenteils zum kleinen, nervigen, elektronischen Bruder von Schweinerock wurde. Für mich war die Musik anfangs einfach nur die entschleunigte Variante dunklen 80er-Pops wie Propagandas „Dr. Mabuse“ oder 16 Bits „Where are you?“ mit optischen Anleihen an mein Lieblingskunstprojekt aller Zeiten, The KLF. Doch damit war das Phänomen noch längst nicht begriffen. Wie man Witch House am besten beschreiben kann, zeigte Bianca Heuser vor vier Jahren in der De:Bug:

Witch House ist die Verquickung von clippenden Synthesizern, runtergepitchtem Südstaaten-Rap, okkulter Symbolik und psychedelischer Videokunst. Weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit entsteht online ein vielförmiges Gesamtkunstwerk, dessen global verstreute Urheberschaft sich in medialer Skepsis und Zurückhaltung übt. Mit House hat das übrigens nichts zu tun.

„She´s on Drugs“ interpretiert nicht nur Laura Palmers verwirrteste Momente, sondern zeugt auch von einem großen Sinn für Humor. Wie sonst könnte man Jermaine Jacksons und Pia Zadoras 80er-Evergreen „When the Rain begins to fall“ so runterpitchen und in eine wabernde Videocollage aus frühneunziger Breakbeat-Videos und Twin-Peaks-Schnipseln integrieren. Klanglich fühlt sich die Musik an wie der letzte Bewusstseinsmoment auf einem OP-Tisch kurz bevor das Narkotikum einsetzt, aber hauptsache es hallt 😉

Mehr Infos über Mater Suspiria Vision auf tumblr & hier

D3 (UR) live in Brasilien

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Na endlich! Ein Boiler Room im Freien und dann gleich auch noch am Amazonas in Brasilien. Mit dabei ist D3, eine Formation des Detroiter Musikkollektivs Underground Resistance, die neben einem DJ auch aus John Dixon an den Keyboards und einem Saxofonisten besteht.

Und wo ich schon bei UR bin. Mike Banks, der Gründer, hat sich anlässlich einer Podiumsdiskussion im Museum of Modern Art doch tatsächlich ohne Maske gezeigt und es damit direkt in die New York Times geschafft.

The Prodigy vs. The Revolutionaries

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Auf The Prodigys Debut-LP „The Prodigy Experience“ wimmelt es nur so von Referenzen wie Max Romeos Vocals im MTV-Überhit „Out of Space“. Eine unbekanntere Inspirationsquelle als den Reggae-Klassiker bieten The Revolutionaries, jamaikanische Hausband der Channel One Studios, die auf „Jericho“ dem ersten Track des Albums zu hören sind.

 

Frisch von Honest Jon´s mitgebracht, kam mir die Melodie eines Riddims ihres Albums „Drum Sound – more gems from the channel one dub room 1974-1980“ direkt bekannt vor. Das pfeifende Intro von der „Kunta Kinte Version One“ wurde von den Londonern ziemlich auseinandergenommen und in die typisch abgehackten, leicht schrägen Sounds verwandelt. Weitere Einflüsse findet ihr hier zusammengestellt.